2010 – 2021 | Die neuen Glocken des Münsters St. Stephan

Albert & Christiane Bachert

2010 startete für uns das herausragende Glockenvorhaben für das Breisacher Münster St. Stephan. Die Münstergemeinde beauftragte insgesamt fünf neue Glocken sowie die Reparatur der kleinen Nirnberger Glocke: im Frühjahr 2011 die Glocken b° und es‘, die ges‘-Glocke folgte 2012. Mit zeitlichem Abstand – anno 2018 und 2019 – kamen die kleinen Glocken des‘‘ und f‘‘ dazu. Das bestehende historische Geläute des Münsters sollte 2018 restauriert, saniert und mit den zwei kleinen neuen Glocken musikalisch vervollständigt werden.

Bei der Einstimmung der fünf neuen Glocken war neben den Tonhöhen und Gewichten besonders auch auf das Klangbild der vorhandenen mittelalterlichen Glocken zu achten, um ein musikalisch geschlossenes Gesamtgeläut zu bekommen. Auch der für die Klangfülle und Schönheit wichtige Mixturtonbereich wird durch die Rippenberechnung definiert.

Die Herstellung der neuen Breisacher Glocken erfolgte in reinem kunsthandwerklichen Lehmformverfahren. Kein anderes Formverfahren wird in unserer Glockengießerei für Glocken mit liturgischer Aufgabe geduldet. Für die künstlerische Gestaltung der neuen Glocken hatten die Auftraggeber den Künstler Helmut Lutz gewonnen. Durch seine klare und doch ergreifende Zier erhielten die neuen musikalisch sehr ausdrucksstarken Glocken eine weitere unverwechselbare äußerliche Identität und eindrückliche Botschaft. Die traumatischen Ereignisse des Kirchenbrandes in Breisach und des Tsunami 2011 in Japan sind unter anderem in die Glockenzier der Christusglocke und der Laurentiusglocke eingeflossen.

Der Glockenguss der b°- und es‘-Glocke fand am 3. Juni 2011, 15.00 Uhr statt. Wir hatten 7000 kg Glockenbronze (78 % Kupfer / 22 % Zinn) geschmolzen. Stadtpfarrer Klug betete für das gute Gelingen des Gusses. Dann wurde im Beisein von Vertretern der Kirchengemeinde und der Stadt Breisach der Zapfen des Gussofens ausgeschlagen. Die 1020 °C heiße Glockenspeise floss in die in der Grube eingegrabenen Formen. Der feierliche Guss endete mit Fürbitten und dem Choral „Großer Gott, wir loben dich“. Die neue Glocke ges‘ wurde am 20. April 2012 um 15 Uhr in feierlichem Rahmen gegossen. Der Besuch beim Glockenguss regte sogar zum kunsthandwerklichen Nachbacken an.

Inzwischen war die 1579 gegossene „kleine Nirnberger Glocke“ von einer umfassenden Restaurierung aus Nördlingen zurückgekehrt. Sie hatte Einschusslöcher und diverse Risse im Mantel und am Boden, ihre Schärfe (der untere Glockenrand) war an mehreren Stellen ausgeschlagen, ihr Schlagringbereich vom Klöppelanschlag tief ausgerieben. All dies wurde durch Verschweißen gerichtet. Außerdem bekam die alte es‘‘-Glocke zwei neue Kronenbügel und ein neues Klöppelhängeeisen. Der immense Aufwand hat sich gelohnt: Jetzt kann die wertvolle Glocke noch ab und an ihre besondere Stimme erklingen lassen. Ob man sie wohl erkennen wird?

Eine Besonderheit bildete der Guss der f‘‘-Glocke im Jahr 2018. Ihre Lehmform wurde in der Werkstatt hergestellt; der Guss fand jedoch im Juni 2018 vor Ort in Breisach statt anlässlich des Patroziniums der Breisacher Schutzpatrone Gervasius und Protasius. „… doch mit des Schicksals Mächten ist kein ew’ger Bund zu flechten …“

Während die Güsse der großen Glocken reibungslos verliefen, konnte die Form der kleinen f‘‘-Glocke dem Druck des Metalls nicht standhalten. Sie wurde in unserem Werk in Neunkirchen, in das wir inzwischen umgezogen waren, noch einmal gegossen – etwa zeitgleich mit ihr die zweitkleinste der neuen Glocken des‘‘. Ein guter Geist lag über dem Glockenvorhaben. Die Zusammenarbeit, das Miteinander war immer motivierend. Das gute Ergebnis des Glockenvorhabens ist somit ein Gemeinschaftswerk. Unser besonderer Dank gilt unserem Wegbegleiter Martin Hau, Pfarrgemeinderatsvorsitzender, Münsterpfarrer Peter Klug, Münsterpfarrer Werner Bauer sowie Helmut Lutz, Künstler aus Breisach.